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Bildungsgutschein und KI-Kurs

Bewerbung nach dem KI-Kurs: was wirklich zählt

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Schreibtisch mit Laptop, Mappe mit Unterlagen und einer Tasse Tee im ruhigen Vormittagslicht

Eine Bewerbung nach einem KI-Kurs ist in fast allen Fällen eine Quereinsteiger-Bewerbung. Das heißt: Du konkurrierst nicht nur mit anderen Kurs-Absolventen, sondern auch mit Studienabgängern, berufserfahrenen Umsteigern und manchmal Bewerbern aus dem Ausland. Die Standard-Bewerbung aus dem Internet reicht dafür nicht. Was zählt, ist eine präzise Kombination aus Portfolio, Anschreiben und Positionierung.

Dieser Artikel zeigt, worauf in der Bewerbungsphase wirklich Gewicht liegt, und was du als typische Falle vermeiden solltest.

Das Portfolio ist wichtiger als der Lebenslauf

Bei Quereinsteigern ist das Portfolio die erste Prüfinstanz. Der Lebenslauf ist Kontext, das Portfolio ist der Nachweis. Ohne drei bis fünf saubere Projekte aus dem Kurs wird es schwer, in die erste Runde zu kommen.

Was ein gutes Portfolio-Projekt ausmacht:

  • Konkretes Problem, nicht abstrakte Übung. “Rechnungsverarbeitung für einen Handwerksbetrieb automatisieren” zieht besser als “Prompt-Engineering-Demo”.
  • Vorher-Nachher nachvollziehbar. Wie viel Zeit sparte die Automatisierung, welche Fehler verschwanden, was wurde messbar besser.
  • Kurze Dokumentation, 300 bis 500 Wörter, mit Screenshots.
  • Öffentlich zugänglich: Notion, Github-Repo mit Readme, oder eine einfache Webseite. Kein PDF im Download-Link vergraben.

In Beratungsgesprächen mit Absolventen sehe ich einen wiederkehrenden Fehler: Das Portfolio liegt fertig vor, wird aber nicht richtig verlinkt. Wer es nur “auf Nachfrage” schickt, verschenkt die Hälfte des Effekts. Linke direkt in der Bewerbung, am besten oberhalb der Unterschrift.

Was das Anschreiben kann und was nicht

Das Anschreiben ist ein Verkaufsgespräch auf einer Seite, keine Selbstdarstellung. Die meisten Quereinsteiger-Anschreiben scheitern an drei Punkten:

Sie beginnen mit “Hiermit bewerbe ich mich” und verschenken den ersten Satz. Der erste Satz muss sofort den Nutzen zeigen: “Nach vier Monaten Vollzeit-Kurs zum Digitalisierungsmanager mit Schwerpunkt Prozessautomatisierung suche ich genau die Rolle, die Sie ausgeschrieben haben.”

Sie erklären zu viel Biografie, zu wenig Bezug. Wer aus der Pflege kommt und sich als Prozessmanager bewirbt, muss den Bogen schlagen. Ein Absatz reicht: “Zehn Jahre Arbeit in hochkomplexen, emotional belasteten Umgebungen haben mich darin geübt, Ruhe zu bewahren und Prozesse zu verbessern. Genau diese Fähigkeiten will ich jetzt in Ihr Digitalisierungsteam einbringen.”

Sie sind zu lang. Eine Seite, maximal 3500 Zeichen. Wer mehr schreibt, wird oft nicht komplett gelesen. Personaler überfliegen, entscheiden grob, lesen dann gezielt.

Der Lebenslauf für Quereinsteiger

Der Lebenslauf muss zwei Dinge leisten: chronologische Klarheit und Hervorhebung des KI-Kurses. Formatvorschläge:

  • Kurs an oberster Stelle unter “Qualifikationen”, nicht versteckt unter “Weiterbildungen”
  • Fünf bis sieben Schlagworte zum Kurs: Dauer, Schwerpunkte, Anbieter, Zertifizierung, Portfolio-Link
  • Berufserfahrung unverändert, aber mit Fokus auf übertragbare Kompetenzen
  • Skills-Block mit Tools, die du im Kurs wirklich beherrscht hast (ChatGPT, Claude, n8n, Prompt Engineering, Prozessmodellierung)

Ein typischer Fehler: Bewerber listen Tools, mit denen sie im Kurs zwei Stunden gearbeitet haben, als “Kenntnisse”. Das fliegt im Gespräch auf. Lieber weniger listen, aber belastbar.

Details zur strukturierten ersten 90-Tage-Phase nach Kursende stehen im Artikel nach dem KI-Kurs: die ersten 90 Tage.

LinkedIn und Xing als Zweitkanal

Ein aktuelles LinkedIn-Profil ist bei deutschen Tech-nahen Rollen Standard, Xing hat in manchen Branchen (Industrie, Verwaltung) weiterhin Gewicht.

Drei Punkte, die beim Profil zählen:

Titel im Header. “Digitalisierungsmanager in Jobsuche” wirkt proaktiv. “Offen für neue Herausforderungen” ist schwammig. “Ex-Pflegekraft” klingt nach Verlust. Formuliere in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit.

Zusammenfassung in drei Absätzen. Was bringst du mit, was hast du gelernt, was suchst du. Maximal 800 Zeichen. Direkter Ansprache-Stil.

Skills, ehrlich. Nicht 40 Skills mit je einer Empfehlung. Besser 15 Skills, drei davon mit echten Projektbezügen.

Der “Open to Work”-Button schadet in den meisten Branchen nicht, in einigen Konzernen wird er aber als schwaches Signal gelesen. Im Zweifel: ohne Button, aber aktiv netzwerken.

Netzwerk schlägt Bewerbungsportal

Die Hälfte aller Stellen im Digitalisierungsumfeld wird nie öffentlich ausgeschrieben. Wer nur auf Stellenportalen sucht, sieht also nur die Hälfte des Marktes. Netzwerk ist kein weicher Faktor, sondern ein harter Kanal.

Was funktioniert in der ersten Phase nach Kursende:

  • 20 bis 30 Personen aus dem bestehenden Umfeld anschreiben mit einer kurzen, konkreten Nachricht: was du gelernt hast, was du suchst, ob sie jemanden kennen.
  • Fünf bis zehn Kurs-Mitteilnehmer als LinkedIn-Kontakte hinzufügen und in Verbindung bleiben. Oft hilft der erste Job-Tipp aus dem Kurs-Umfeld.
  • In einem oder zwei relevanten LinkedIn-Gruppen aktiv sein, nicht nur lesen.
  • Zu Meetups in der Region gehen, wenn es welche gibt. Bitkom-Events, IHK-Digitalisierungs-Veranstaltungen, lokale Tech-Stammtische.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag{target=“_blank” rel=“noopener”} und die regionalen IHK-Geschäftsstellen veranstalten regelmäßig Digitalisierungs-Events, auf denen Unternehmen und Einsteiger aufeinandertreffen.

Typische Fallen, die Quereinsteiger nicht erkennen

Vier Muster, die du vermeiden willst:

Schrotschuss-Bewerbungen mit identischem Anschreiben. Wer fünfzig Bewerbungen mit einem generischen Text rausschickt, landet in zehn Papierkörben. Zehn gezielte Bewerbungen pro Woche sind statistisch besser.

Zu lange in der Recherchephase bleiben. Manche Absolventen recherchieren drei Wochen die “perfekte Zielbranche” und haben in Woche vier null Bewerbungen rausgeschickt. Dann wird die Zeit knapp.

Angst vor Absagen. Absagen sind normal, die Quote zwischen Bewerbung und Einladung liegt bei 1 zu 10 oder niedriger. Das sind keine persönlichen Urteile, sondern Standardwahrscheinlichkeiten.

Über-Perfektion beim Anschreiben. Der dreißigste Korrekturdurchgang bringt keinen Mehrwert. Besser: Zwei Varianten bauen, testen, nach zehn Bewerbungen evaluieren, nachjustieren.

Das Vorstellungsgespräch als Quereinsteiger

Im Gespräch wirst du drei Fragen mit Sicherheit bekommen:

“Warum dieser Wechsel?” Bereite eine ehrliche, knappe Antwort vor. Nicht mehr als 90 Sekunden. Keine Jammer-Erzählung über den alten Beruf. Fokus auf den Pull, nicht auf den Push.

“Was haben Sie im Kurs gelernt?” Nicht die Modulliste aufzählen. Lieber zwei bis drei Projekte nennen, mit konkretem Ergebnis und Lernmoment.

“Warum sollten wir gerade Sie einstellen?” Drei Sätze, die deinen Unterschied zum üblichen Bewerberprofil benennen. Nicht allgemein (“ich bin motiviert”), sondern spezifisch (“ich verbinde zehn Jahre Prozesserfahrung im Klinikalltag mit frisch aufgebauten KI-Skills”).

Mehr zu Einstiegsgehältern und Verhandlung steht im Artikel Einstiegsgehälter nach einem KI-Kurs.

Häufige Fragen

Wann schreibe ich die erste Bewerbung? Idealerweise in den letzten zwei bis drei Wochen des Kurses. Dann ist der Kopf noch voll, das Portfolio steht in Grundzügen, und du startest nicht bei Null nach Kursende. Wer erst nach dem Kurs anfängt, verliert zwei bis drei Wochen Momentum.
Muss das Portfolio öffentlich sein? Öffentlich oder per Link zugänglich, ja. Wer ein Portfolio hat, das nur per E-Mail verschickt wird, erhöht die Hürde für den Personaler um einen Klick. Ein offen verlinktes Notion oder GitHub-Repo ist besser.
Soll ich mich auf Stellen bewerben, bei denen ich 70 Prozent der Anforderungen erfülle? Ja. Die meisten Stellenausschreibungen sind Wunschlisten, nicht Mindestanforderungen. Wer 70 Prozent erfüllt und die fehlenden 30 Prozent im Anschreiben adressiert ("die Lücke bei XY schließe ich durch..."), hat gute Chancen.
Wie gehe ich mit einer größeren beruflichen Pause um? Ehrlich. Eine Elternzeit, eine Pflegezeit oder eine Neuorientierungsphase sind nichts, was versteckt werden muss. Wichtig: klare Begründung, kurze Formulierung, Fokus auf die Gegenwart. "Ich habe zwei Jahre meine Eltern gepflegt. Jetzt bin ich wieder verfügbar und habe diese Zeit zur Weiterbildung genutzt."
Wie oft soll ich nach einer Bewerbung nachfassen? Einmal, nach zwei bis drei Wochen, freundlich. Nach dem zweiten Nachfassen ohne Reaktion ist die Bewerbung praktisch tot. Deine Energie ist woanders besser investiert.

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Promovierter Naturwissenschaftler, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.


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