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Bildungsgutschein und KI-Kurs

KI-Kurse mit Praxisprojekten: warum sie zählen

· 7 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Laptop mit einem offenen Dashboard-Projekt und Notizen in der Hand

Ein KI-Kurs ohne Praxisprojekte ist wie eine Fahrschule, die nur Theorie-Tests macht. Du weißt am Ende, wie es theoretisch geht, aber niemand hat dich fahren sehen. Im Bewerbungsprozess kostet dich das die Stelle. Arbeitgeber schauen nicht nur auf das Zertifikat, sie schauen auf das, was du gebaut hast.

In diesem Beitrag bekommst du einen klaren Blick darauf, warum Praxisprojekte so zentral sind und wie du erkennst, ob ein Kurs sie ernsthaft anbietet.

Warum sind Praxisprojekte so wichtig?

Drei Gründe.

Erstens: Arbeitgeber glauben nicht mehr nur Zertifikaten. Ein Zertifikat sagt, dass du einen Kurs besucht hast. Es sagt nicht, dass du das Gelernte anwenden kannst. Praxisprojekte liefern genau diesen Nachweis.

Zweitens: Du lernst anders. Theorie verschwindet ohne Anwendung. Wer sechs Wochen Prompt Engineering liest, aber nie eigene Prompts schreibt, kann nichts davon. Wer eigene Projekte baut, verinnerlicht die Konzepte.

Dritttens: Du hast ein Portfolio. Ein Portfolio ist deine Bewerbungswaffe. Ohne eigene Projekte kannst du im Vorstellungsgespräch nur über Theorien reden. Mit Projekten kannst du zeigen, was du gemacht hast.

Was macht ein gutes Praxisprojekt aus?

Ein gutes Praxisprojekt hat vier Merkmale.

Es löst ein reales Problem. Nicht “erstelle einen Chatbot”, sondern “erstelle einen Chatbot, der die häufigsten Kundenfragen in einer kleinen Schreinerei beantwortet”. Realitätsbezug macht den Unterschied.

Es wird von dir selbst entwickelt. Vorgefertigte Lösungen zum Nachklicken sind keine Projekte. Projekte haben offene Entscheidungsspielräume: Welcher Ansatz, welche Daten, welches Tool.

Es wird dokumentiert. Am Ende steht nicht nur ein fertiges Projekt, sondern eine Dokumentation: Was wurde gebaut, warum, welche Alternativen wurden verworfen, was sind Stärken und Schwächen. Diese Dokumentation zeigst du später in Bewerbungen.

Es wird von einem erfahrenen Dozenten gereviewt. Ein Projekt ohne Feedback ist halb so wertvoll. Jemand muss schauen und sagen, wo du besser hättest entscheiden können.

Welche Arten von Praxisprojekten gibt es im KI-Kurs?

Vier typische Formate.

Prozess-Digitalisierungs-Projekt. Du nimmst einen realen Geschäftsprozess (in unserem Kurs oft aus einer anonymisierten Firma) und digitalisierst ihn mit KI-Komponenten. Beispiel: Rechnungseingang automatisch verarbeiten.

Chatbot- oder Assistenz-Projekt. Du baust einen Chatbot, der eine bestimmte Aufgabe erfüllt. Die Herausforderung ist Prompt Engineering, Trainingsdaten, Integration.

Datenanalyse-Projekt. Du nimmst einen realen Datensatz und analysierst ihn mit KI-Werkzeugen. Am Ende steht ein Dashboard oder eine Handlungsempfehlung.

Automatisierungs-Projekt. Du kettst mehrere Tools zusammen (zum Beispiel E-Mail-Eingang, KI-Klassifikation, CRM-Eintrag) zu einem durchgängigen Workflow.

Im DigiMan-Kurs durchläuft jeder Teilnehmer mehrere dieser Projekttypen, inklusive eines Abschlussprojekts, das als Portfolio-Stück geeignet ist.

Woran erkennst du einen Kurs mit echten Praxisprojekten?

Vier Signale, die du beim Anbieter abfragen kannst.

Konkrete Projektbeispiele. Ein seriöser Anbieter zeigt dir, was Absolventen gebaut haben. Entweder Fotos der Ergebnisse, Video-Demos oder anonymisierte Projektberichte.

Klare Projektstruktur im Curriculum. Im Modulhandbuch stehen die Projekte drin. Mit Zeitrahmen, Aufgabenstellung, Betreuungsmodell. Wenn das fehlt oder nur vage beschrieben ist, ist das schwächer.

Review durch Dozenten. Frag explizit, wer die Projekte reviewt und wie. Standardantwort: “jeder arbeitet eigenständig an eigenen Projekten” = schwaches Signal. Starke Antwort: “Der Dozent schaut am Ende jedes Projekts drüber und gibt schriftliches Feedback” = gutes Signal.

Praxisanteil in Prozent. Seriöse Anbieter sagen, wie hoch der Praxisanteil am Gesamtkurs ist. Bei Skill-Sprinters liegt er bei rund 40 Prozent. Wenn ein Kurs unter 20 Prozent liegt, ist er theorielastig.

Wie viel Praxisanteil ist wirklich nötig?

Faustregel für Generalisten-Kurse: 30 bis 50 Prozent des Kurses sollten Praxisanteile sein. Darunter wird es zu theoretisch, darüber fehlt die konzeptionelle Tiefe.

Bei Spezialisten-Kursen (zum Beispiel reine Data Science) kann der Praxisanteil höher liegen, weil die Theorie schmaler ist. Bei Grundlagenkursen kann er niedriger liegen, weil Konzepte erst etabliert werden müssen.

KursartPraxisanteilBewertung
Theorie-lastiger Generalist (unter 20%)niedrigschwach für Bewerbung
Ausgewogener Generalist (30 bis 50%)gutStandard
Praxis-intensiver Spezialist (50 bis 70%)hochgut, wenn Fokus passt
Reiner Workshop ohne Theoriesehr hochnur als Aufbau sinnvoll

Was bedeutet das für die BG-Bewilligung?

Für den Bildungsgutschein spielt der Praxisanteil indirekt eine Rolle. Die AfA achtet darauf, dass der Kurs zu einem Berufsziel führt, das auch realistisch erreichbar ist. Ein Kurs mit hohem Praxisanteil und Portfolio-Output ist hier überzeugender als ein reiner Theoriekurs.

In der Praxis fragt der Vermittler aber selten nach Prozentzahlen. Er schaut auf die AZAV-Zertifizierung, das Curriculum und das Berufsziel. Der Praxisanteil kommt oft erst im Kursbeschreibungs-Dokument vor. Weitere Hinweise dazu findest du auf KURSNET, dem offiziellen Kursportal der Bundesagentur für Arbeit{target=“_blank” rel=“noopener”}.

Welche Rolle spielt das Abschlussprojekt?

Das Abschlussprojekt ist oft das wichtigste Stück im Portfolio. Es ist das Projekt, das du am Ende des Kurses selbständig bearbeitest, dokumentierst und präsentierst.

Ein gutes Abschlussprojekt:

  • Ist individuell (nicht alle Teilnehmer machen dasselbe)
  • Ist komplex genug, um einen realen Anwendungsfall abzubilden
  • Wird geprüft und bewertet
  • Wird in einer Präsentation vorgestellt
  • Bleibt nach dem Kurs dein Eigentum und kann als Portfolio-Beispiel genutzt werden

Wer das Abschlussprojekt unterschätzt, verpasst das beste Bewerbungsmaterial. Im DigiMan-Kurs nutzen viele Absolventen das Abschlussprojekt als Basis für ihre erste Stelle: “Ich habe während meiner Weiterbildung ein System gebaut, das X und Y kann. Ich kann Ihnen das gerne zeigen.”

Was machst du, wenn der Kurs zu wenig Praxis bietet?

Wenn du bereits in einem Kurs bist und merkst, dass der Praxisanteil zu niedrig ist, gibt es drei Optionen.

Eigene Projekte parallel starten. Such dir einen realen Anwendungsfall, den du aus eigenem Antrieb bearbeitest. Das kostet Zeit, liefert aber am Ende ein echtes Portfolio.

Mit Dozent und Anbieter sprechen. Gute Anbieter nehmen Rückmeldungen ernst. Wenn mehrere Teilnehmer mehr Praxis wollen, verändert sich der Kurs oft.

Zusatz-Workshops besuchen. Manche Anbieter bieten optionale Workshops oder Projektphasen außerhalb des Pflichtcurriculums an. Frag danach.

Wenn du noch vor der Anmeldung stehst: Schau dir mehrere Kurse an und vergleich die Praxisanteile. Du findest das meist im Modulhandbuch. Welche Kriterien bei der Anbieter-Auswahl zählen, steht in Die sieben Fragen die du jedem KI-Kurs-Anbieter stellen solltest und Zertifikatskurse vs. Weiterbildungs-Kurse.

Häufige Fragen

Reicht ein einzelnes Abschlussprojekt für ein gutes Portfolio? Als Basis ja, als komplettes Portfolio eher nicht. Arbeitgeber schauen gerne auf drei bis fünf verschiedene Projekte, um die Bandbreite zu beurteilen. Wenn der Kurs nur ein Abschlussprojekt bietet, lohnt es, zusätzlich eigene kleine Projekte zu machen.
Darf ich im Kurs gebaute Projekte öffentlich zeigen? Kommt auf den Vertrag an. Im DigiMan-Kurs gehören die Projekte dir, du darfst sie in Bewerbungen und auf LinkedIn zeigen. Bei anderen Anbietern solltest du das vorher klären.
Was ist, wenn ich keine Programmierkenntnisse habe? Praxisprojekte in einem guten Generalisten-Kurs sind so konzipiert, dass sie ohne Programmierung funktionieren. Du nutzt Low-Code-Tools, fertige KI-Dienste, Prompt Engineering. Die Komplexität liegt im Konzept, nicht im Code.
Wie lange dauert ein typisches Praxisprojekt? Zwischen 1 und 4 Wochen, je nach Umfang. Das Abschlussprojekt ist oft 3 bis 4 Wochen, Zwischenprojekte 1 bis 2 Wochen. Rechne mit 20 bis 40 Stunden Eigenleistung plus Betreuung.
Kann ich echte Firmenprojekte im Kurs bearbeiten? Bei manchen Anbietern ja, bei anderen nein. Wenn du bereits in einem Unternehmen bist, kannst du Rücksprache halten, ob du ein reales Problem als Kursprojekt bearbeiten darfst. Das gibt die stärkste Praxisnähe. Tipps dazu findest du im [BIBB Leitfaden zu betrieblichem Lernen](https://www.bibb.de/){target="_blank" rel="noopener"}.

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Er begleitet wöchentlich Menschen dabei, ihre Portfolios aufzubauen. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 21.04.2026 von Dr. Jens Aichinger.


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